Samstag, 29. November 2008

Sturz, oder: "Das passiert, wenn man sich überreden läßt."

"Komm doch wieder einmal mit, wenn wir am Samstag fahren." Dieser Satz kommt mir neulich entgegen. Wir Rennradfahrer aus Grafing und Umgebung, die meisten - so wie ich - vom RSC Elkofen, treffen uns im Sommer jeden Samstag um 13:00 Uhr für eine gemeinsame Trainingsfahrt. Jetzt im Winter sind einige Leute mit dem Mountain-Bike unterwegs und treffen sich ebenfalls jeden Samstag für eine gemeinsame Trainingsfahrt. Und mich will man also auch dabei haben. Meine Einwände, daß ich kein geeignetes Material dafür habe, werden einfach unter den Tisch gekehrt. "Unsinn, mit deinem Bike von Bergamont kannst du da locker mitfahren." Ich bin skeptisch. Das alles paßt nicht in mein Trainingskonzept. Ich weiß, wie gefahren wird, nämlich meistens schnell. Ich hingegen will diesen Winter ganz auf Ausdauer und Grundlage setzen, da kann ich das permanente "Herumräubern" nicht gebrauchen. Aber nach einiger Überredungskunst willige ich schließlich ein, am Samstag wieder einmal mitzufahren.

Ich bin nicht im Besitz eines einsatzfähigen Mountain-Bikes. Mein Bianchi ist mittlerweile fast 13 Jahre alt. Es hat keine Klickpedale und die Zahnkränze und Ritzel sind so verschlissen, daß die Kette schon Gefahr läuft, leer duchzurutschen. Also bleibt nur das Bergamont.

Am Samstag um 13:00 Uhr bin ich pünktlich am üblichen Treffpunkt hinter Bennos Fahrradladen. Wir sind zu siebt. Benno, Robert, Thomas und ich, sowie drei Fahrer, die ich nicht kenne. Außer mir haben alle Mountain-Bikes mit 26-Zoll-Rädern und Geländebereifung, vier Mann mit vollgefederten Bikes, zwei Mann mit Hardtails. Und schließlich ich mit meinem Trekking/Cross-Bike, 28-Zoll-Rädern und Semi-Slick-Bereifung.

Wir fahren los. Gleich außerhalb von Grafing, oben am Schönblick, biegt Benno in den Wald ein, wir anderen folgen ihm. Der holprige, unbefestigte Waldweg wird bald zum Trampelpfad, es geht über Wurzeln und durch dornige Brombeerstauden. Als wir eine längere Steigung erreichen, ist der Weg für mich nicht mehr fahrbar. Ich muß absteigen und schieben. Der Rest der Gruppe fährt indes weiter. Ich ärgere mich, fluche über den dreckigen Untergrund, durch den ich schieben muß und über die Brombeerstauden, an denen meine neue Hose hängen bleibt. Am Ende der Steigung angekommen ist von den anderen niemand mehr zu sehen. Also fahre ich alleine weiter, in der Hoffnung, den Rest der Truppe wieder irgendwo zu treffen.

Tatsächlich, einige Kilometer weiter kommen wir meine Sportkameraden wieder entgegen. "Was war denn los? Wir haben auf dich gewartet, aber du bist nicht gekommen." Die Fragerei ärgert mich ein wenig. Es war für jedermann ersichtlich, daß ich mit meinem Material in dem Gelände nicht mitfahren konnte. Man braucht nicht so zu tun, als hätte ich einfach abreißen lassen. Nach einigen Kilometern auf befestigtem Untergrund geht es wieder ins Gelände. Diesmal besteht der Untergrund aus festgefahrenem Schnee. Die Geländereifen der Mountain-Bikes haften darauf prima, aber meine schmalen Semi-Slicks schwimmen unkontrollierbar herum. Mehrmals gerate ich ins Schlingern und kann nur mit viel Geschick einen Sturz verhindern. Zu Thomas, unserem Vereinsvorstand, einem sehr guten Rennradfahrer, sage ich, daß ich umkehren will, weil mir das zu unsicher wird. "Ach, das wird sicher gleich wieder besser. Und so schlimm sind die Bodenverhältnisse doch gar nicht." Wieder lasse ich mich dazu überreden, doch noch mitzufahren.

Und dann passiert es. In einer leichten Rechtskurve rutscht mir auf schneeglattem Untergrund das Vorderrad weg. Ich kann den Sturz nicht mehr verhindern und fliege in den Schnee. Zum Glück kann ich sofort wieder aufstehen. Es tut nichts weh, ich bin nicht verletzt. Aber der hintere Umwerfer der Schaltung hat einiges Abbekommen. Nun endlich sehen auch andere ein, daß es für mich keinen Sinn hat, weiter durch das Gelände zu fahren. Ich hebe mein Bike wieder auf, wünsche dem Rest der Truppe noch eine schöne Fahrt und mache mich auf den Heimweg, ganz vorsichtig natürlich, um nicht noch einmal zu stürzen.

Am Montag muß ich mein Rad in Bennos Laden zur Reparatur bringen. Glück im Unglück, daß ich nicht verletzt bin. Man stelle sich vor, bei dem Sturz wäre ein Knochen gebrochen. Wochelanger Trainingsausfall wäre die Folge gewesen. Und alles nur, wegen einer Fahrt auf ungeeignetem Material durch zu schwieriges Gelände.

Für mich war das eine Lehre. Ich werde mich nicht mehr zu solchen Aktionen überreden lassen. Mein eigentliches Wintertraining beginnt nächste Woche. Fahren werde ich dann nur so, wie ich es für richtig halte. Sollen andere über Trampelpfade fahren, mein Revier ist und bleibt die Straße.

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